Warum Schlaf keine verlorene Zeit ist
Weniger schlafen und trotzdem leistungsfähig bleiben – für viele klingt das verlockend. Fachpersonen betonen jedoch, dass ausreichender Schlaf eine zentrale Voraussetzung für Gesundheit und Belastbarkeit bleibt.
Mehr leisten, effizienter arbeiten, mehr Freizeit haben und dabei möglichst wenig schlafen: Der Wunsch nach einem sogenannten «Turboschlaf» scheint in unserer Leistungsgesellschaft immer häufiger zu werden. Besonders junge Menschen, Lernende und Berufstätige stehen oft vor der Herausforderung, Ausbildung, Arbeit, Familie, soziale Kontakte und Erholung unter einen Hut zu bringen. Doch kann man sich tatsächlich antrainieren, mit weniger Schlaf auszukommen?
Schlafbedürfnis ist individuell und nicht trainierbar
Fachpersonen der Klinik für Schlafmedizin von ZURZACH Care sind sich einig: Der persönliche Schlafbedarf ist zu einem grossen Teil biologisch und genetisch bedingt. Während wenige Menschen tatsächlich mit vier bis sechs Stunden Schlaf auskommen, benötigen die meisten Erwachsenen zwischen sechs und neun Stunden Schlaf pro Nacht.
Dr. med. Carolin Schäfer, Chefärztin der ZURZACH Care Klinik für Schlafmedizin in Luzern sowie Fachärztin für Neurologie und Schlafmedizin, bestätigt diese Einschätzung. Auch Rosita Neumann, Fachärztin im Schlaflabor Zürich bei ZURZACH Care, betont die Bedeutung eines individuell angepassten Schlafpensums. Beide Expertinnen weisen darauf hin, dass die benötigte Schlafdauer von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist und sich nicht pauschal festlegen lässt.
Wer dauerhaft versucht, den eigenen Schlafbedarf zu unterschreiten, riskiert langfristig gesundheitliche Folgen. Dazu gehören unter anderem Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungseinbussen, erhöhtes Stressniveau, chronische Erschöpfung, erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und weitere gesundheitliche Folgen.
Leistungsdruck macht auch vor dem Schlaf nicht Halt
Gerade in Ausbildungsphasen, während Prüfungen oder beim Einstieg ins Berufsleben entsteht oft das Gefühl, dass Schlaf «verlorene Zeit» sei. Viele versuchen, Lernzeit, Arbeitszeit oder Freizeit auf Kosten der Erholung auszudehnen. Dabei ist ausreichender Schlaf kein Luxus, sondern eine wichtige Voraussetzung für Leistungsfähigkeit. Wer gut schläft, lernt effizienter, kann Informationen besser verarbeiten und bleibt psychisch belastbarer.
Besonders für Lernende wichtig
Für Lernende ist Schlaf ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor. Gerade in intensiven Phasen mit Prüfungen, Praktika oder hoher Arbeitsbelastung lohnt es sich, bewusst auf genügend Erholung zu achten. Hilfreich können sein:
- Möglichst regelmässige Schlafzeiten
- Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen reduzieren
- Lernphasen frühzeitig planen statt nachts kompensieren
- Warnsignale wie dauerhafte Müdigkeit ernst nehmen
- Eigene Grenzen akzeptieren
